Nie wird dem Ende einer Liebesgeschichte die Aufmerksamkeit zuteil, die es eigentlich verdient hätte. Der Anfang einer Liebe scheint immer so viel zu versprechen – und hält dieses Versprechen doch so selten. Das Ende hingegen ist meist schmerzhaft und traurig. Wer möchte sich schon freiwillig damit beschäftigen?
Dabei sind es gerade die Traurigkeiten des Lebens, die uns tief und weit machen. Sie lockern uns auf, wie ein Feldboden aufgelockert werden muss, damit Neues wachsen kann. Es ist gut möglich, dass wir die Traurigkeit – wie Rainer Maria Rilke schreibt – mit größerem Vertrauen ertragen müssen als unsere Freuden.
Wenn ein Verlust kaum auszuhalten ist und zum neuen Nullpunkt der eigenen Zeitrechnung wird, dann ist es vielleicht genau dieser Schmerz – der große Weichmacher –, der uns verwandelt. Wenn ich also etwas in meinem Leben bereue, dann, dass ich so viel Traurigkeit ungenutzt verdrängt habe. Gerade diese Traurigkeit verleiht dem Leben Tiefe. Sie ist etwas Echtes, etwas Lebendiges, das in uns spürbar wird und uns den Weg zu einer tieferen Wahrheit weisen kann.
Und wenn diese Wahrheit schließlich sichtbar wird, wenn der Schmerz bis zu seinem Ende gefühlt wurde, dann wird es plötzlich still. Leer. Diese Leere wirkt zunächst unheimlich, weil der Lebenssinn, um den sich über so lange Zeit alles gedreht hat, auf einmal verschwunden ist. Immer wieder versucht man, zu den vertrauten Gedanken zurückzukehren, lieber noch einmal den alten Schmerz zu spüren, als diese ungewohnte Leere auszuhalten. Doch der Schmerz hat längst an Kraft verloren. Er trägt nicht mehr.
Denkbar ist, dass diese Leere gar kein Ende ist, sondern der Raum, in dem etwas Neues bereits angekommen ist. Rainer Maria Rilke schreibt in einem seiner Briefe: „Das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.“
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