wolkig bis heiter

Gedanken zwischen Wolken und Licht

Im Wort Gleichgültigkeit steckt für mich, dass im Grunde alles, was ist, die gleiche Gültigkeit besitzen kann. Diese Vorstellung erfüllt mich mit tiefer Gelassenheit. Ich muss nicht sofort entscheiden, was gut oder schlecht ist. Ich darf dem Leben zunächst einfach Raum geben.

Dabei kommen mir Gedanken aus Siddhartha von Hermann Hesse in den Sinn – die Idee, allem mit einem liebenden Einverständnis zu begegnen und jedem Erleben seine eigene Gültigkeit zuzugestehen.

Diese Erkenntnis in mein eigenes Leben zu integrieren, erfordert großen Mut und Geduld. Ich darf mich selbst zurücknehmen in dem Drang, alles bewerten zu müssen. Was sich in meinem Leben zeigt, hat seine eigene Gültigkeit. Oft erkenne ich das erst im Rückblick und mit zeitlichem Abstand.

Die Natur ist darin ein gutes Vorbild, wenn es um Geduld geht. Sie drängt den Frühling nicht herbei. Sie wartet. Im Herbst lässt sie los, und im Winter ruht sie im Vertrauen auf den nächsten Frühling. Jede Jahreszeit hat ihre eigene Gültigkeit – keine ist wichtiger oder richtiger als die andere.

Die Natur gibt sich dem Rhythmus der Jahreszeiten hin. Welchem Rhythmus können wir Menschen uns im Vertrauen hingeben? Vielleicht ist die Antwort weicher als Samt.

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