wolkig bis heiter

Gedanken zwischen Wolken und Licht

Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung
und hält sich oben wie ein Wiesenweg?

Die Zeile stammt aus Rainer Maria Rilkes Gedicht Natur ist glücklich (1919).

Der Weg zur Wahrheit oder zu uns selbst ist nicht der leichteste Weg. Es ist kein Weg, der immer ruhig in die Landschaft eingebettet ist und nur manchmal sanft ansteigt. Es ist auch nicht der Weg, der stets einladend und sicher wirkt.

Wir wissen selbst oft genug im Leben, an welchen Stellen wir der Steigung ausweichen und einen „einfachen“ Weg wählen. Später erkennen wir jedoch, dass wir Umwege gegangen sind, weil uns das Ausweichen vor dem schweren und steilen Weg unweigerlich zum Ausgangspunkt zurückführt. Dann können wir entweder wieder eine Ehrenrunde drehen oder endlich den Mut aufbringen, die Steigung anzunehmen.

Nehmen wir die Steigung, haben wir die Möglichkeit, eine wunderbare Aussicht zu genießen. Der Blick reicht weit über das Tal hinaus und wir erweitern unseren eigenen Horizont.

Fast jeder kennt das beglückende Gefühl, einen Berganstieg geschafft zu haben, und die stille Erleichterung, begleitet von wohltuender Müdigkeit, die damit einhergeht. Es fühlt sich wie Glück an, von oben über das Tal zu blicken. Und so ist es auch auf unserem Lebensweg.

Wer sich aus Bequemlichkeit scheut, die Steigung zu nehmen, dem entgeht dieser unglaubliche Ausblick.

Es gibt Berge, über die wir hinübermüssen, sonst geht unser Weg nicht weiter.

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