wolkig bis heiter

Gedanken zwischen Wolken und Licht

Ist es nicht lächerlich, an etwas Vergangenem festzuhalten, es wie einen Schatz anzubeten und zu verherrlichen, nur weil wir glauben, damit das Ultimative verloren zu haben?

Genau darin liegt unsere größte Täuschung: Wir vergleichen das, was wir verloren haben, mit einer Zukunft, die wir noch gar nicht kennen.

Auch Thoreau beschreibt in Walden einen Zustand, in dem Lebensüberdruss und Langeweile uns glauben lassen können, wir hätten die „Mannigfaltigkeit und die Freuden des Lebens“ bereits ausgekostet. Etwas Ähnliches geschieht, wenn wir eine vergangene Liebesgeschichte zum Höhepunkt unseres Lebens erklären. Wir machen aus einer Erfahrung ein Ideal und aus einem Ende einen Verlust, der scheinbar nichts Vergleichbares mehr zulässt.

Aber woher wollen wir wissen, dass das Beste bereits hinter uns liegt?

Manchmal denke ich, wie engstirnig wir als Menschen doch sind, wenn wir meinen, zu wissen, was Leben bedeutet. Wir planen, bewerten und halten fest, als könnten wir überblicken, was richtig für uns ist und was noch vor uns liegt. Dabei verstehen wir vom Leben viel weniger, als wir glauben.

Warum orientieren wir uns nicht mehr an der Natur? Die Natur verlangt keine Antworten. Sie weiß nicht, was der nächste Frühling bringen wird, und trotzdem lässt sie den Herbst kommen. Sie hält nicht an dem fest, was war, sondern vertraut darauf, dass aus dem Vergehen wieder etwas Neues entstehen kann.

Wir sollten genau das wieder lernen: nicht alles verstehen und nicht alles kontrollieren zu müssen, sondern dem Leben zu erlauben, uns zu überraschen. Dann nimmt das Leben einen Weg, den wir nicht geplant haben, mit Dingen, die wir uns vielleicht nie gewünscht hätten, und bringt uns doch so vieles von dem, was wir wirklich brauchen: Lebendigkeit.

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